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San José del Pacifico – Wolken und Magic Mushrooms

Auf der Suche nach einer Auszeit in den Bergen rund um Oaxaca City, hat es uns nach San José del Pacifico verschlagen. Ein Ort über den Wolken, der uns bereits von vielen Oaxaqueños (Einwohner Oaxacas) empfohlen wurde.

In den Straßen von San José del Pacifico, Oaxaca
Das kleine Bergdorf inmitten der Sierra Sur im Bundestaat Oaxaca bietet sich bestens für einen Zwischenstoff auf der Strecke Oaxaca City <—> Puerto Escondido an.

Das kleine Bergdorf San José del Pacifico liegt rund 2.500 Meter hoch in der Sierra Sur und ist bekannt für seine spektakuläre Aussicht über den Wolken. Nach nur drei Stunden Autofahrt von Oaxaca City haben wir dieses kleine Paradies erreicht. Da es auf der Route Richtung Pazifik nach Puerto Escondido liegt, bietet es sich besonders für einen Zwischenstopp auf der Reise von Oaxaca nach Puerto an.

Anreise: 

Wir sind mit unserem eigenen Auto gefahren, die wohl einfachste Lösung. Die Anreise mit öffentlichen Verkehrsmitteln ist aber auch kein Problem. Von Oaxaca City aus fahren Collectivos der Firmen “Eclipse 70” (Armenta y López 504, Centro, 68000 Oaxaca) und “Lineas Unidas” (Bustamante 601, Centro, 68000 Oaxaca) für rund fünf Euro circa jede Stunde direkt nach San José. Einfach zum Treffpunkt im Stadtzentrum gehen und auf den nächsten Bus warten, Reservierungen sind nicht nötig.
Von Puerto Escondido fahren ebenfalls Collectivos für den gleichen Preis in das Bergdorf.

Was ist so besonders an San José del Pacifico?

Das Besondere an San José del Pacifico ist seine Lage in den Bergen der Sierra Sur. Von hier aus kannst du sogar den Pazifik sehen, daher “del Pacifico” im Namen. Die Nähe zum Meer führt dazu, dass sich das Wetter und damit die komplette Szenerie am Himmel alle zehn Minuten ändern kann. Der Blick in die Wolken wird hier nie langweilig.

Neben dem unglaublichen Naturschauspiel ist das kleine Bergdorf  außerdem bekannt für seine psychedelischen Pilze, sogenannte Magic Mushrooms, die aufgrund der besonderen klimatischen Bedingungen in den Wäldern wachsen.

Sonnenuntergang in San José del Pacifico
Schon allein für diese Sonnenuntergänge lohnt sich die Reise in die Sierra von Oaxaca.

In den letzten Jahren wurde San José del Pacifico zum “Place to be” für Hippies aus der ganzen Welt. Der Ort lebt vom Pilztourismus. Hochsaison ist während der Regenzeit zwischen Juli und September. Da die Pilze aber auch getrocknet oder in Honig konserviert werden, brauchst du dir um die Verfügbarkeit keine Sorgen zu machen.

Was kannst du machen in San José del Pacifico?

In dem kleinen Bergdorf kannst du locker ein paar Tage verbringen und einfach mal runterkommen. Hier gibt es kein Telefonsignal, mobiles Internet Fehlanzeige. Nur einige Hostels an der Hauptstraße und die besseren Cabañas haben Wifi.
Viele der einfachen Unterkünfte in San José verfügen über einen grandiosen Ausblick über die Wolken ins Tal. Einige Cabañas  haben sogar einen Kamin, vor dem du es dir in den kalten und stürmischen Nächten herrlich romantisch machen kannst.

Nachts wird es hier wirklich kalt, unbedingt Jacke, Mütze und Schal einpacken! Auch eine Regenjacke schadet nicht. Und tagsüber die Sonnencreme nicht vergessen, denn durch die Höhenmeter ist die Sonne extrem intensiv.

Kunsthandwerk in San José del Pacifico
Keine Sorge, warme Pullover, Mützen und Schals kannst du auch direkt vor Ort kaufen. Alles handgefertigt, nachhaltig und in Bio-Qualität.

Wandern kannst du hier natürlich auch sehr gut. Es gibt verschiedene Wanderwege, nach denen du dich am besten in deiner Unterkunft erkundigst.

Natürlich kannst du hier auch köstlich essen und eine heiße Schokolade nach der anderen genießen, sobald sich der Tag dem Ende neigt und es kalt wird. An der Hauptstraße findest du einige kleine Restaurants und Taquerias. Falls du auf feinste italienische Pasta stehst, dann verpasse auf keinen Fall die “Taberna de los Duendes” (Taverne der Elfen) am Ortsausgang. Das Lokal wird von einem Italiener betrieben und ist bei Touristen sehr beliebt. Aufgrund der vielen Hippies ist die Atmosphäre hier wirklich einzigartig!

Zudem begegnen dir hier an jeder Ecke Temazcals. Diese traditionellen Dampfbäder ähneln einer Sauna und dienen der Entspannung und körperlichen Reinigung. Uns wurde recht schnell klar, warum es in San José so viele Temazcals gibt, denn hier werden dir auch die psychedelischen Pilze angeboten. Entweder nach dem Dampfbad oder auch davor. Natürlich kannst du aber auch einfach nur das ca. einstündige Dampfbad, ganz ohne Magic Mushrooms genießen.
Wer nach der extremen antiken Temazcal Zeremonie sucht, bei der rauschartig gesungen, getrommelt und geweint wird und bei der du vor lauter Hitze fast ohnmächtig wirst, dann empfehle ich dir diesen Temazcal mitten im Wald.

Die richtige Unterkunft finden.

Wir sind Ende Oktober ohne Reservierung nach San José gefahren. Das ist auch kein Problem, wenn du bei der Auswahl deiner Unterkunft flexibel bist. In dem kleinen Ort gibt es einige Hostels, Cabañas und privat vermietete Unterkünfte. Willst du auf Nummer sicher gehen, dann suchst du dir am besten eine Unterkunft über Airbnb.

Wir haben in einer der komfortablen Cabañas der “Rancho viejo” übernachtet. Jede Blockhütte ist mit Kamin und Ausblick ins Tal ausgestattet. Eine Cabaña für zwei Personen kostet rund 30 Euro pro Nacht. Absolut empfehlenswert für jeden, der nach Entspannung sucht.

Die Cabañas “La Puesta del Sol” kurz vor dem Ortseingang sind wohl die luxuriösesten im ganzen Ort. Hier haben wir spontan keine Unterkunft mehr bekommen. Eine Übernachtung in einer Blockhütte für zwei Personen kostet circa 40 Euro.

Wenn du mehr auf budget Hostels stehst, dem empfehle ich dir “La Cumbre“, das beliebteste Hostel mitten im Ort. Dort bekommst du ein Zweibettzimmer für rund fünf Euro und die wohl beste Aussicht.

Ein ganz besonderer und abgeschiedener Ort ist “Terraza de la Tierra“. Hier gibt es veganes Essen, Yoga, Meditation und natürlich auch Cabañas. Eine Nacht in einer Hütte für zwei Personen bekommst du schon ab 25 Euro.

San José del Pacifico und seine Magic Mushrooms.

Ich möchte hier wirklich niemanden zum Drogenkonsum animieren. Außerdem sei gesagt, dass Magic Mushrooms in Mexiko illegal sind. Mit dem Besitz und Konsum machst du dich also theoretisch strafbar. Für die Einheimischen in San José macht das Gesetz eine Ausnahme, da der Pilzkonsum stark in ihrer Tradition und Kultur verankert ist.

Straße zum Bergdorf San José del Pacifico in Oaxaca
Je näher du dem Ortseingang von San José kommst, desto klarer wird, dass dieser Ort vom Pilztourismus lebt.

Bereits bevor wir uns auf den Weg in die Berge machten, wusste ich von den psychedelischen Pilzen. Das war allerdings keineswegs der Grund für uns, nach San José zu fahren. Uns ging es um eine Auszeit in der Natur.

Einmal angekommen, hat uns dann aber doch die Neugierde gepackt. So haben wir bei unseren Cabaña-Betreiber nachgefragt, wie das denn mit den Magic Mushrooms abläuft. Er brachte uns zum Temazcal “Los 4 Elementos”, der sich an der Straße, noch vor dem eigentlichen Ort befindet. Nach einer kurzen Einführung in die heilende Wirkung eines traditionellen Dampfbads und warum die Reinigung des Körpers vor der Reinigung des Geistes mithilfe der besagten Wunderpilze geschehen sollte, waren wir sehr angetan. Ein kleiner Spaziergang durch den anliegenden, wild wuchernden Garten mit herrlichen Plätzen zum Rumhängen und die Aussicht genießen, überzeugten uns dann.

Gesagt getan. Am nächsten Tag trafen wir uns morgens um 10 mit fünf weiteren Touristen aus Mexiko, Kanada und Dänemark zum traditionellen Dampfbad. Dafür bringst du am besten Badeklamotten mit, Unterwäsche geht aber auch. Nach circa einer Stunde im Dunkeln schwitzen, benebelt von ätherischen Aufgüssen fühlte ich mich tatsächlich körperlich gereinigt. Am intensivsten waren die letzten zehn Minuten, als wir mit aller Kraft gesangartige Töne von uns geben sollten. Die Vibration der verschiedenen Stimmen war in dem kleinen Iglu stark zu spüren. Das laute “Rausschreien” hat sich sehr befreiend angefühlt. Denn eine alte Weisheit besagt, dass Krankheiten, die durch den Mund in unseren Körper gelangt sind (z.B. die klassische Krippe), auch nur über den Mund wieder geheilt werden können. Das Rausschreien soll daher den Heilungsprozess fördern.

Nach dem Wechseln der nassen Klamotten wurde uns, sowie vier weiteren Besuchern, der mit Pilzen angereicherte Tee gereicht. Der Geschmack war okay, nur etwas erdig. Mein Tee enthielt vier kleine Pilze, die ich alle aß. Nach ein paar Instruktionen und weisen Worten wurden wir in den riesigen Garten entlassen. Cesar und ich haben uns einen großen Stein gesucht, von dem aus wir die Aussicht ins Tal genießen und gespannt auf das Einsetzten der Wirkung warten konnten.

Ca. 20 Minuten später begannen wir beide verrückte Formen, Muster und Figuren in den Baumkronen zu sehen. Alles pulsierte und tanzte, auch die Farben schienen intensiver. Am spannendsten war für mich der Blick in die Wolken. Ich sah Gesichter, geometrische Figuren und sich ständig verändernde Muster, die mich die meiste Zeit zum Lachen brachten. Ein bisschen wie bei den freakigen Kaleidoskopen für Kinder, die beim Drehen immer wieder neue Muster kreieren.
Die Schönheit der Natur, mit der ich mich so verbunden fühlte, rührte mich sogar zu Tränen. Nach ca. zwei Stunden ließ die Wirkung dann bereits nach.

Mein Fazit.

Wir hatten glücklicherweise eine total angenehme Zeit, ohne Angstzustände oder Panikattacken, was bei dem Konsum halluzinogener Drogen durchaus vorkommen kann. Aber ich denke die Natur, die in San José besonders beeindruckend ist, beruhigt und erdet ungemein. Besser könnte die Umgebung für eine solche Erfahrung wohl kaum sein.

Auch die Kombination aus dem reinigenden Temazcal und dem anschließenden Tee sorgt für eine entspannte Grundstimmung. Ich würde dir außerdem auch nicht empfehlen, Magic Mushrooms ohne jegliche Vorerfahrungen allein zu konsumieren.

San José del Pacifico, das Dorf über den Wolken in der Sierra Oaxacas.
Hier braucht niemand einen Fernseher. Das Beobachten der Wolken beruhigt und inspiriert.

Ich kann mir jetzt sehr gut vorstellen, dass psychedelische Pilze der mentalen Heilung dienen können, wenn sie unter Leitung von Schamanen eingenommen werden. Sie helfen, bestimmte Dinge zu visualisieren, fördern die Kreativität, regen zum Nachdenken an und helfen beim Fokussieren. Schon María Sabina wusste über die heilende Kraft der psychedelischen Pilze, die in der Sierra Oaxacas wachsen, Bescheid.

“Über den Wolken, muss die Freiheit wohl grenzenlos sein”, so hat es schon Reinhard Mey gesungen.

Vaya con cuidado,

Deine Katrin

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