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Santa Muerte – Der heilige Tod Mexikos

La Santa Muerte (“Heiliger Tod”), oder auch la Niña Blanca (“das weiße Mädchen”), ist eine in Gewänder gehüllte Skelett Frau, die sich vor allem in Mexiko großer Beliebtheit erfreut und als der heilige Tod verehrt wird.

In der Regel hält sie eine Sense in der einen und einen Globus in der anderen Hand. Die Farbe ihres Gewands beeinflusst ihre Macht. So steht ein weißes Gewand für Reinheit und Schutz, ein rotes für Leidenschaft und Liebe, ein braunes für Erleuchtung und Weisheit, ein schwarzes für Schwarze Magie, ein goldenes für Geld und Wohlstand, ein violettes für die Heilung und ein grünes repräsentiert ihre Macht als unvoreingenommene Vertreterin all ihrer Anhänger.

Santa Muerte im bunten Gewand auf dem Markt in Sonora
Eine Santa Muerte Figur im mehrfarbigen Gewand (Hilfe bei allem) mit einer Sense in der linken und einem Globus in der rechten Hand kostet auf dem “Mercado de Sonora” in Mexiko Stadt rund 800 Pesos (ca. 40 Euro).

Lange galt sie als die Schutzheilige der Drogendealer, Verbrecher und Prostituierten. Das kann man heute so allerdings nicht mehr unterstreichen. Die Anhängerschaft soll derzeit bei rund 10 bis 12 Millionen Menschen liegen und geht sogar über Mexikos Grenzen hinaus bis in die USA, Zentralamerika und Kolumbien.
Neben Kriminellen sind es heute vor allem auch Menschen in gefährlichen Berufen, wie beispielsweise Polizisten, Taxifahrer oder Soldaten, welche die Santa Muerte um Schutz bitten.

Was erhoffen sich die Anhänger von der “Heiligen Frau Tod”?

Die Verehrer der Santa Muerte, die in der Regel auch gläubige Christen sind, suchen vor allem nach Schutz. Schutz vor ihren Feinden, Schutz bei kriminellen Machenschaften, Schutz vor Gewalt, Schutz vor Neid und Schutz vor Rache.
Sie beten für Geld, für Frieden, für eine gute Zeit nach dem Tod, für Liebe, für spirituelle Reinigung, für Erfolg vor Gericht, Gesundheit oder für die Wiederkehr verlorengegangener Dinge.

Wo findet man Altare für die Santa Muerte?

Früher wurde die Santa Muerte vor allem Zuhause und in Gefängnissen im Stillen verehrt, aber innerhalb der letzten 15 Jahre wurde sie immer populärer und heute sieht man sie an Straßenecken, kleinen Kapellen und Schreinen in den ärmeren Vierteln Mexiko-Stadts sowie in anderen Regionen, insbesondere im Norden des Landes.

In Tepito in Mexiko-Stadt zum Beispiel steht zu Ehren der Santa Muerte ein schlichter Tempel, die “Parroquia de la Misericordia”, die “Kapelle der Barmherzigkeit”.  Im Inneren findet man Gebetsbänke, einen Altar, Jesus-Statuen und Abbildungen der Mutter Gottes zusammen mit Figuren der Santa Muerte. Und sonntags hält der Priester hier eine Predigt.

Ein weiterer wichtiger Ort für die Anhänger der Santa Muerte ist “Santuario de la Santa Muerte” in Santa Maria Cuautepec in Tultitlan, im nördlichen Randgebiet Mexiko-Stadts. Dort steht eine 22 Meter hohe Niña Blanca, die man beim Vorbeifahren nicht übersehen kann.

Auf der Suche nach Altaren sind wir außerdem im Süden Mexiko Cities, im Viertel “La Viga” fündig geworden. Wir verweilten dort nur kurz, denn die Art und Weise, wie wir beobachtet wurden, die Junkies an der Straßenecke und die ein oder andere Stahltür mit unzähligen Einschusslöchern wirkte nicht ganz so einladend.

Santa Muerte Altar in Mexiko Stadt
Ein Santa Muerte Altar in “La Viga”, einem heruntergekommenen Viertel in Mexiko Stadt. Ihr zu Füßen stehen Wodka- und Bierflaschen, Zigaretten, Kerzen, Geld und Süßigkeiten.

Wie wird sie verehrt?

Vor den Altaren der Santa Muerte stapeln sich Tequillaflaschen, Zigarettenschachteln und Marihuanabeutel. Die Santa Muerte wird reich beschenkt, zum einen als Dank für ihre Dienste und zum anderen als vorbeugende Maßnahme.

Es gibt auch vereinzelt Rituale, in denen Adler, Hühner, Eulen und Kolibris geopfert werden. Das passiert allerdings nicht vor den Altaren auf der Straße, sondern vielmehr hinter verschlossenen Türen, in den Räumlichkeiten der selbsternannten Priester, die dem Kult der Santa Muerte folgen.
Angenommen du planst den nächsten Banküberfall und möchtest dafür deine Pistole “heiligen”, dann kannst du den Priester deines Vertrauens aufsuchen und er wird dir sagen, welches Ritual dafür nötig ist und was das kostet. In der Regel wird das Bult eines Adlers zum “Heiligen” von Gegenständen verwendet, denn der Adler gilt als stark und unbesiegbar. Indem die Kraft des Adlers mittels des geopferten Bluts auf die Pistole übergeht, kann ihr beim nächsten Einsatz nichts passieren, so der Glaube der Schutzsuchenden.

Neben Tieropfern wurde sogar von drei Kultmorden berichtet. Im Jahr 2012 kam es in Sonora zur Festnahme von 8 Verdächtigen, die zwei Jungen und eine 55-Jährige Frau ermordet und ihr Blut der Santa Muerte geopfert haben sollen.

Was sind die Ursprünge der Santa Muerte?

Schaut man zurück ins Reich der Azteken, sieht man Parallelen in der realistischen Darstellung des Todes bzw. des Totengottes als Skelett. Denn auch der alte aztekische Totengott Mictlantecuhtli, der König der Unterwelt (Mitclan), wurde in der Regal als blutbespritztes Skelet oder als Person mit Totenschädel dargestellt. Zudem zeugt auch der Glaube an eine personifizierte Macht für die Belange des Todes von einem eher polytheistischem Denken (verschiedene Götter für diverse Belange), wie es im Reich der Azteken vorzufinden war.

Der Verweis auf Mitclan direkt neben einem Altar der Santa Muerte in Mexiko Stadt
Direkt neben dem Santa Muerte Alter in “La Viga” in Mexiko Stadt steht diese Tafel. Sie beschreibt Mitclan, den Ort der Unterwelt im Reich der Azteken. Demnach wurde der König von Mitclan, Mictlantecuhtli, nach der Ankunft der Spanier und dem Vermischen der Kulturen auch als Niña Blanca bekannt.

Neben den Ursprüngen im Aztekenreich spielt aber auch die Tradition der Kirche eine große Rolle bei der Verehrung der Santa Muerte. In Mexiko werden neben der Jungfrau von Guadalupe, die als Nationalheilige gilt, noch diverse weitere Marienbildnisse verehrt. Von daher wird die Santa Muerte von ihren Anhänger als Alternative oder Ergänzung zu den herkömmlichen Marienbildern verstanden.

Die Kirche selbst sieht den Kult um die Niña Blanca als heidnisches Ritual. Papst Franziskus äußerte bei seinem Besuch in Mexiko im Februar 2016 Besorgnis über die Vielzahl der Menschen, die dieses Trugbild verherrlichen und sich mit ihren makaberen Symbolen schmücken, um den Tod zu kommerzialisieren.

Warum ist der Kult um die Santa Muerte so populär?

In Mexiko spielt der Glaube eine sehr große Rolle. So ist es normal, dass du religiös aufwächst und dich deine Eltern regelmäßig in die Kirche schleppen, um zu Jesus oder der Jungfrau Guadalupe zu beten. Allerdings wohnst du in einem der armen und gefährlichen Gegenden Mexikos und wunderst dich irgendwann, warum es dir und deiner Familie trotz der ganzen Gebete so bescheiden geht. An diesem Punkt verlierst du den Glauben und hörst von einem Bekannten, dass die Niña Blanca ihm bei der letzten Schießerei den Arsch gerettet hat und ein Porträt der Skelett Frau jetzt seinen Oberarm schmückt….
Die Santa Muerte ist für viele ihrer Anhänger viel näher am Leben als Jesus. Sie repräsentiert den Tod, der für viele allgegenwärtig erscheint. Zudem wird der Tod eines Tages jeden von uns holen, egal aus welcher Schicht und mit welchem Hintergrund.
Zudem stellt die Niña Blanca keine Fragen und urteilt nicht über deinen Lebensstil, sie ist für jeden da, auch für Homo- und Transsexuelle oder Prostituierte zum Beispiel.

Zum Abschluss ein Video, was die Geschichte von Arely Gonzales, einer in Mexiko aufgewachsenen und heute in den USA lebenden Transsexuellen erzählt, die die Skeletlady liebt und ihr einiges zu verdanken hat (Spanisch mit englischen Untertiteln):

Quellen:

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