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Deutsche in Mexiko #1 – Claudia aus Querétaro

In meiner Serie #deutscheinmexiko stelle ich dir Auswanderer vor, die von ihrem Leben in Mexiko erzählen. Wie die Menschen selbst könnten auch ihre Beweggründe, nach Mexiko auszuwandern, nicht unterschiedlicher sein. Ihre Geschichten sollen dich inspirieren und dir eine bessere Vorstellung vom Leben in Mexiko geben. Viel Spaß dabei!


Vor sechs Jahren ist Claudia im Zuge ihres Jobs bei einer deutschen Firma von China nach Mexiko, genauer nach Querétaro gezogen. Hier hat sie ihren mexikanischen Mann kennengelernt und ihre eigene kleine Familie gegründet. Wie es dazu gekommen ist, was ihre größten Herausforderungen sind und warum du das Wort “mañana” verstehen lernen solltest, erfährst du im Interview!

Im Interview mit Claudia aus Querétaro
© by Claudia Eitze: Seit 2012 lebt Claudia, die einst BWL in Deutschland studiert hat, in Querétaro und gründete hier ihre kleine Familie.

Seit wann lebst du schon in Mexiko? Wo genau wohnst du derzeit?

Seit Anfang 2012, also seit ca. 6 Jahren, lebe ich in Querétaro.

Was war der Grund für dich, nach Mexiko auszuwandern?

Ich habe nicht bewusst den Entschluss getroffen, nach Mexiko „auszuwandern“. Ich bin durch ein Arbeitsangebot einer deutschen Firma hierher gekommen. Vorher hatte ich für die gleiche Firma in China gearbeitet, hatte aber nach sechs Jahren etwas die Lust an Land und Leute verloren, und war aber auch unschlüssig nach Deutschland zurückzugehen. Da kam das Angebot meines Arbeitgebers, in Mexiko beim Aufbau eines neuen Werks zu helfen, gerade recht. Hier habe ich dann meinen Mann (Mexikaner) kennengelernt und mittlerweile haben wir Kind und Haus. Allerdings kann ich mir schon vorstellen, dass wir auch mal für einige Zeit wieder in Deutschland leben werden.

Kanntest du Mexiko schon, bevor du hier her gezogen bist?

Vorher kannte ich Mexiko nur aus den Nachrichten, die nicht sehr positiv berichten. Und hatte auch das Bild vom im Poncho im Schatten eines Kaktus sitzenden Mexikaners vor Augen. Mein Chef hatte mich allerdings vor meiner Entscheidung, nach Mexiko zu ziehen, für drei bis vier Tage nach Querétaro eingeladen, damit ich nicht komplett ins kalte Wasser springe. Da habe ich dann erstmal festgestellt, wie westlich beziehungsweise amerikanisiert Mexiko teilweise ist. Das Klima und die offene Art der Mexikaner hatten mich dann komplett überzeugt.

Wie steht es um dein Spanisch? Hast du bereits Spanisch gesprochen, bevor du ausgewandert bist?

Mein Spanisch ging vorher gegen Null. Ich hatte in den Monaten, bevor es nach Mexiko ging, versucht, mir noch mithilfe eines Computerprogramms so viele Vokabeln wie möglich selbst beizubringen. In Mexiko habe ich dann kurzzeitig einen Abendkurs belegt und immer versucht, Spanisch (nicht Englisch) zu sprechen, auch in der Arbeit, auch wenn mir anfangs die Wörter fehlten. Mein bester Lehrer war und ist allerdings mein Mann (wir sprechen nur Spanisch oder Deutsch miteinander) und mittlerweile ist mein Spanisch so gut, dass ich auch meine Schwiegereltern verstehe….

Als was arbeitest du aktuell? Hast du in dem Berufsfeld auch schon in Deutschland gearbeitet?

In unserer Firma bin ich zuständig für Finanzen/Controlling, Personal und generelle Administration.
Ehrlich gesagt habe ich noch nie „richtig“ in Deutschland gearbeitet. Ich habe in Deutschland BWL studiert und auch einige Praktika gemacht. Nach Abschluss meines Studiums bin ich allerdings direkt nach China gegangen, und war dort anfangs als Assistentin des Geschäftsführers und dann für Finanzen und Controlling zuständig.

Was denkst du über das mexikanische Gesundheitssystem? Bist du besorgt, ernsthaft krank zu werden?

Als ich hier her kam, haben mich die meisten, auch Mexikaner, vor den IMSS-Krankenhäusern gewarnt (ewige Wartezeiten, „Entwicklungsland-Standard“ etc.). Mit den öffentlichen Krankenhäusern bin ich bisher auch nur im Rahmen der Schwangerschaftsvorsorgeuntersuchungen in direkten Kontakt gekommen, um meine offizielle Incapacidad (Krankschreibung) zu erhalten, und da ist mir schon ein gewaltiger Unterschied in der Ausstattung im Vergleich zu den privaten Ärzten aufgefallen. Gesundheit hängt hier leider sehr vom Geld ab. Die privaten Kliniken liegen vom Niveau wiederum teilweise über dem, was man aus Deutschland kennt. Glücklicherweise zahlt mein Arbeitgeber Gastos Medicos Mayores, also eine zusätzliche private Krankenversicherung, so dass ich eher unbesorgt bin. Momentan nehme ich aber das Angebot für die Impfungen für mein Baby über die IMSS war, da es da kostenlos ist, ich dafür keinen Termin brauche und die Ärzte sehr unkompliziert sind.

Fühlst du dich an deinem Wohnort allgemein sicher? Gibt es gewisse Vorsichtsmaßnahmen, an die du dich hältst?

Querétaro wird als eine der sichersten Städte in Mexiko bezeichnet. Allerdings kommt es auch hier mittlerweile gefühlt zu mehr Vorfällen wie Überfällen und Schießereien.
Was mich anfangs erstaunt hat, ist, dass die Häuser meist von mehrere Meter hohen Mauern umgeben sind, beziehungsweise dass die Wohnanlagen bewacht sind und man sich am Eingang ausweisen muss. Mittlerweile ist die Paranoia leider auch bei mir Normalität. Das erste, was wir kurz nach Einzug in unserem neuen Haus installiert haben, war eine Alarmanlage.

Was begeistert dich am meisten an der mexikanischen Kultur? Was ist nicht so toll?

Mich begeistert die warme offene Art der meisten Mexikaner, ihre Liebe für Fiestas und Barbecues und ihr Familiensinn.
Was mir allerdings täglich aufstößt, ist die teils extreme Umweltverschmutzung und Unbedarfheit beim Umgang mit Müll. Da beginnt hier erst ein langsames Umdenken, was teilweise, wie hier in Querétaro, durch Verbote der Regierung vorangetrieben wird (z.B. Verbot von Plastiktüten). 

Was sind die Vorteile als Ausländer in Mexiko? Was die Nachteile?

In China stach ich immer als Ausländerin heraus und wurde beispielsweise in der Arbeit sofort als Autoritätsperson akzeptiert. Hier in Mexiko würde ich nicht sagen, dass man als Ausländer konkrete Vorteile genießt. An Nachteilen betrifft mich aktuell, dass es schwierig ist (selbst als Residente Permanente und seit sechs Jahren bei der gleichen Bank), eine Kreditkarte zu bekommen oder einen Bankkredit zu beantragen, weil die Kredithistorie fehlt (die man eben nur bekommt, wenn man mal einen Kredit oder eine Kreditkarte einer mexikanischen Bank hatte).

Was hast du während deiner Zeit in Mexiko gelernt, was du gerne jedem Deutschen mit auf den Weg geben würdest?

Es kommt auf die Persönlichkeit jedes Einzelnen an, wie er an die Dinge herangeht. Wer offen für andere Kulturen und Eigenheiten ist und diese zu respektieren weiß, der sollte keine Probleme haben, in Mexiko heimisch zu werden.

Was vermisst du besonders aus deiner Heimat?

Deutsches Brot, Wurstaufstrich und Haribo (besonders Lakritz)….

Hast du spezielle Tipps und Ratschläge für Deutsche, die vom Auswandern nach Mexiko träumen?

Ganz wichtig: zu verstehen, dass „mañana“ eben nicht nur „morgen“ heißen kann, sondern auch übermorgen oder nächste Woche und dementsprechend Geduld haben. Oder dass wenn eine Party offiziell um 18 Uhr angesetzt ist, vor 20 Uhr kaum jemand da sein wird (außer die Deutschen). Wenn man das einmal akzeptiert hat, lebt es sich wesentlich entspannter.

Würdest du es genau so wieder machen?

Alle meine vorherigen Erfahrungen haben mich zu der Person gemacht, die ich jetzt bin und ich will nichts davon missen, also ja…


Vielen lieben Dank an Claudia! Falls du spezielle Fragen an sie hast, leite ich das gern weiter!

Con mucho amor,

Deine Katrin

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