Feel the Mex Appeal

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Wie sicher ist Mexiko?

Ja, Mexiko ist nicht gerade das sicherste Land, das steht außer Frage. Aber was genau bedeutet das? Mit welchen Einschränkungen muss ich rechnen?

Da ich ja bereits Anfang letztes Jahres zwei Monate allein durch Mexiko gereist bin, konnte ich mir diesbezüglich schon ein erstes Bild machen. Natürlich war ich nur als Tourist unterwegs und habe mich der typischen Touriroute von Cancun bis Mexico City entlang gehangelt. Gegenden wie Veracruz, wo kürzlich ein Massengrab mit über 250 Toten durch verzweifelte Angehörige, die von der Justiz völlig im Stich gelassen werden, gefunden worden ist oder alles nördlich von Mexiko City habe ich bewusst gemieden.

Ich durchlebte zwei Situationen in Mexiko, in denen ich mich nicht ganz wohl gefühlt habe. Einmal nachts im Bus, auf dem Weg von Tuxtla nach Oaxaca (dauert mit dem ADO circa 10 Stunden), stürmten wie aus dem Nichts drei Polizisten den Bus und leuchteten jedem mit einer Taschenlampe ins Gesicht. Von mir wollten sie den Ausweis sehen, was sie ziemlich aggresiv und lautstark kommunizierten. Anfangs hab ich überhaupt nicht verstanden, worum es geht. Nach dem Blick in meinen Ausweis haben sie mich  dann glücklicherweise in Ruhe gelassen. Andere Passagiere mussten den Bus für vielleicht 10 Minuten verlassen. Was dann draußen passiert ist, weiß ich nicht. Aber auf jeden Fall kamen alle wieder zurück 😉 Der Lonely Planet (mittlerweile gibt es auch schon die 2017er Edition), mit dem auch ich unterwegs war, empfiehlt es nicht, nachts mit den Bussen durch Mexiko zu fahren, da es hin und wieder zu Überfällen kommen kann. Da die Distanzen in Mexiko allerdings so groß sind und eine Busfahrt in der Regel immer mindestens zehn Stunden dauert, bietet es sich natürlich an, über Nacht unterwegs zu sein und sich so eine Unterkunft zu sparen. Von den insgesamt fünf Nachtfahrten, die ich unternommen habe, war nur diese eine etwas nervenaufreibend.

Die zweite unangenehme Situation ereignete sich in einer Bank in Oaxaca. Ich wollte gerade Geld am Automaten ziehen, als fünf schwer bewaffnete, schwarz uniformierte Gestalten die Bank lauthals stürmten und jeden Kunden rausscheuchten. Ich dachte erst, irgendwo in der Bank ist ein Terrorist. Es stellte sich dann aber heraus, dass lediglich Geld abgeholt und in den Geldtransporter verladen wurde…

Diese beiden Beispiele machen deutlich, dass es die Polizei bzw. andere Staatsdiener sind, die einem in Mexiko Angst machen können. Man spürt einfach diese Willkür, der man ausgesetzt ist. Der Polizist kann mit dir im Grunde machen, was er will ohne jegliche Konsequenzen befürchten zu müssen. Natürlich sind nicht alle Polizisten “böse”, es gibt auch äußerst hilfsbereite. Aber die Grundstimmung in Mexiko ist anti Staat und anti Polizei. Und ja, ich habe auch Mexikaner getroffen, die mir Horrorgeschichten über Schießereien, Kidnappingversuche und willkürliche Polizeigewalt erzählen konnten. Leider haben die Kartelle den Staat im Griff und irgendwie scheinen alle Staatsoberhäupter Teil des organisierten Verbrechens zu sein.

Läuft man in Mexiko City durch die Stadtteile La Roma und La Condesa, könnte man auch denken in Berlin Kreuzberg zu sein. Diese Stadtteile gelten als hip und sind besonders bei Touristen, zugezogenen Europäern und dem jungen mexikanischen Partyvolk mit etwas mehr Geld beliebt. Zudem gelten diese Stadtteile als sehr sicher. Als ich in DF war, habe ich die meiste Zeit bei einem Kumpel geschlafen, den ich aus Berlin kenne. Er ist in Mexiko City geboren und lebt jetzt dort in einem Haus von Freunden der Familie etwas außerhalb im Südwesten der Stadt, in Tlahuac. Dort verirren sich Touristen normalerweise nicht hin. Ich kann auch nicht sagen, dass ich mich dort wohl und sicher gefühlt hätte. Ein etwas mulmiges Gefühl hat mich immer begleitet auf dem Weg von Daniels Haus zur Metro-Station. Nachts habe ich dann den Taxiservice Uber benutzt. Oberstes Gebot in solchen Gegenden ist es, keinen Schmuck oder wertvoll aussehende Kleidung zu tragen, aber das sagt einem schon der gesunde Menschenverstand. Aber schon allein der Fakt, dass ich europäisch aussehe, lässt viele Mexikaner natürlich denken, dass ich Geld habe. So frei und unbesorgt und zu jeglicher Tageszeit wie hier in Hamburg kann man sich in Mexiko nicht überall bewegen, das steht fest. In den Touristenorten am Meer wie Playa del Carmen, Cancun, Tulum, Puerto Escondido, Mazunte usw. braucht man sich über Sicherheit keine großen Gedanken zu machen. Dort kam auch abends beim Schlendern durch die Straßen kein unangenehmes Gefühl auf…

Und Querétaro, die Stadt, in die es mich im September verschlägt, gilt als ziemlich sicher. Cesar, der dort ja bereits schon wohnt und unsere Wohnung in Ruhe einrichtet bis ich komme, ist ganz erstaunt über das neue Lebensgefühl, was eine sichere Umgebung bringt. Er kommt aus Mexiko Stadt, weshalb er da anderes gewohnt ist. Man erzählt sich, dass einige Narcos-Familien in Querétaro wohnen und sich dort eine Art heile Welt geschaffen haben, weshalb die enorm schnell wachsende Stadt als so sicher gilt. Ich bin sehr gespannt, ob ich als ähnlich sicher wahrnehmen werde wie Cesar…

4 Comments

  • Tara
    März 21, 2017 at 10:59 am

    Sehr interessanter Beitrag!
    Ich habe schon oft gehört, wie gefährlich Mexiko sein soll. Eine Freundin hat dort während ihrer Schulzeit mal ein Auslandsjahr gewagt und musste innerhalb von nur wenigen Monaten unwahrscheinlich oft ihre Gastfamilie und den Wohnort wechseln, weil es immer wieder irgendwelche Komplikationen gab …
    Deine zwei Erlebnisse hören sich ziemlich beängstigend an – ich glaube bei der Sache mit dem Bus wäre ich vor Angst gestorben, haha 🙂
    Gut, dass die Stadt, in die du ziehen wirst, als sicher gilt. Und außerdem hast du ja deinen Freund an deiner Seite, der wird dich im Ernstfall ja beschützen 😉

    • KatAguacate
      März 21, 2017 at 5:06 pm

      Oh man, die Geschichte von deiner Freundin klingt ja nicht so nach ner schönen Zeit in Mexiko 🙁 War sie denn seit dem mal wieder dort? Ja eben, ich hab ja meinen Freund vor Ort, der wird mich auf jeden Fall beschützen und er weiß diverse Situationen auch viel besser einzuschätzen als ich. Und er würde mich auch nicht nach Querétaro holen, wenn es dort nicht sicher genug wäre 😉

      • Tara
        März 21, 2017 at 11:33 pm

        Sie ist tatsächlich nochmal dort gewesen und mit einem ihrer Gastbrüder ein bisschen herum gereist – das empfand sie wohl als angenehmer, als dazu gezwungen zu sein, an einem festen Ort leben zu müssen. 🙂

        Eben, dein Freund weiß ja, was dort drüben geht und was nicht! Man darf sich von solchen Dingen einfach nicht zu viel Angst machen lassen, das sage ich mir auch immer wieder wenn es in Japan z.B. um die Naturkatastrophen Gefahr geht 🙂

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